Rainer Barzel wurde 1972 möglicherweise nur deshalb nicht Bundeskanzler, weil die ostdeutsche Stasi zwei CDU-Bundestagsabgeordnete bestochen hatte, in der geheimen Abstimmung gegen ihren Fraktionsvorsitzenden zu stimmen. Und zwei Jahre später stürzte Bundeskanzler Willy Brandt, weil sein enger Mitarbeiter Günter Guillaume als Stasi-Spitzel enttarnt wurde.
Die Stasi besaß mehr als 3000 Spitzel in Westdeutschland, die in den Parteien, Ministerien und Medien, aber auch in der linken Szene nach 1968 und der Friedensbewegung saßen. Dabei steht fest, daß diese Spitzel nicht nur überwachen, sondern auch Einfluß nehmen sollten. Das genaue Ausmaß der Einflußnahme ist bis heute nicht geklärt. Viele Akten wurden unter der Regierung Modrow (SED-PDS) 1989/90 vernichtet. Neu erschlossene Datenbestände wie die Rosenholz-Datei oder SIRA-Datenbank könnten aber neue und überraschende Ergebnisse liefern.